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Willkommen im Wissensportal Vorratsschutz

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Um der knappen Lebensmittelversorgung nach dem ersten Weltkrieg und dem zusätzlichen Verlust gelagerter Vorräte durch Schadorganismen entgegenzuwirken, wurde im Mai 1920 das Fachgebiet ‚Vorratsschutz' zum selbständigen Referat in der damaligen Biologischen Reichsanstalt ernannt. Dieses wurde seit Oktober desselben Jahres durch ein neu geschaffenes Laboratorium für Vorrats- und Speicherschädlinge unterstützt. Unter der Leitung von Friedrich Zacher wurden in Berlin die Forschungen zu Vorratsschädlingen und deren Bekämpfung erfolgreich begründet und werden bis zum heutigen Tage am Standort des Julius-Kühn-Institutes, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, in Berlin-Dahlem fortgesetzt. Die Nähe zu den politischen Entscheidungsträgern im Ministerium und dem Wissenschaftscampus in Dahlem haben sich dabei als förderlich erwiesen, die Aspekte des Vorratsschutzes als Teil der Lebens- und Futtermittelherstellungskette darzustellen, zu erforschen und jeweils fachlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten anzupassen.

Während einst zunächst die biologischen Grundlagen der Schädlinge und ihrer Gegenspieler sowie die Wirksamkeit von konventionellen chemischen Pflanzenschutzmitteln im Fokus standen, bestimmen heute die Forschungen zu Verfahren des integrierten Pflanzenschutzes im Vorratsschutz die Arbeiten am Fachbereich, einschliesslich der Methoden zur Vermeidung und Früherkennung eines Schädlingsbefalls. Die politischen Vorgaben und der gesellschaftliche Wunsch nach nachhaltigeren Verfahren der Pflanzenproduktion hat auch im Vorratsschutz dazu geführt, dass der Fokus nicht mehr auf der Bekämpfung von Befall allein liegt, sondern eher ein Konzept zur Schädlingsvermeidung verfolgt wird.
Auch die Bewertung der Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln hat sich gewandelt: die Bewertung der Wirksamkeitsdaten erfolgt im Fachbereich Vorratsschutz nunmehr nach den Kriterien, die europaweit für Wirkstoffe und Mittel harmonisiert und festgelegt worden sind. Sie umfasst auch die Abschätzung eines Resistenzrisikos und die Auswertungen auf das Pflanzenerzeugnis und dessen Verarbeitbarkeit.

Ein Aspekt aber ist über die Jahre erhalten geblieben: der Schutz der Vorräte!

In Deutschland liegt die verwendbare Erzeugung von Getreide (mit Körnermais) im Wirtschaftsjahr 20/21 bei ca. 43 Millionen Tonnen, davon werden bis zum Ende eines Wirtschaftsjahres jeweils rund 80% an den Erfassungshandel abgegeben, der Rest geht direkt an Mühlen und kleine Verarbeitungsbetriebe oder verbleibt für den Eigenverbrauch der Landwirte (insb. Futtermittel) im bäuerlichen Lager. Die gelagerten End- bzw. Anfangsbestände liegen landesweit derzeit zwischen 6 bis 7 Millionen Tonnen.
Für die weltweite Erzeugung werden nach Schätzung der Ernährungs- und Landwirtschafts¬organisation der Vereinten Nationen (FAO) für das Wirtschaftsjahr 20/21 derzeit 2765 Millionen Tonnen Getreide (inclusive Körnermais und Reis) erwartet. Die festen Bestände im Lager belaufen sich weltweit auf geschätzte 800 Millionen Tonnen (Quellen: BMEL Erntebericht, FAO Cereal supply, BLE und Statistisches Bundesamt).

Nach der Ernte sind diese Vorräte während der Lagerhaltung und des Transportes vielfältigen Gefahren ausgesetzt. Neben Fremdstoffen und Kontaminanten bestehen insbesondere biologische Risiken durch Insekten, Milben, Pilze, Mikroorganismen sowie Nager und Vögel.
Es kommt in der Folge zu Fraßschäden und einer Verschmutzung durch lebende und tote Schädlinge, Häute, Haare, Exkremente und Gespinste; Atmungsprozesse aufgrund von Befall im Vorratsgut führen zu Wärmeentwicklung, Feuchte und Schimmelbildung.

Ein Beispiel: Ein Kornkäferpaar hat circa 4000 Nachkommen pro Jahr, diese können 4000 kg Getreide fressen und verunreinigen 4000 bis 40000 kg (aus: Containerhandbuch).
Ein solcher Befall oder Verunreinigungen führen zum Verderb oder zur Qualitätsminderung der Güter und bergen ein gesundheitliches Risiko für Mensch und Tier. Vorratsschutz ist deshalb neben der Lebensmittelsicherheit und -hygiene ein essentieller Bestandteil in der Wertschöpfungskette – rund 75% der Getreideernte gehen in Deutschland in die Produktion von Futter- und Lebensmitteln ein.
Ein sachgemäßer Umgang mit Pflanzenerzeugnissen und Erntegütern sowie eine angemessene, qualitätserhaltende und saubere Lagerung wirken Ernteverlusten effektiv entgegen und dienen somit dem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und der gleichbleibenden Versorgung der Verbraucher mit sicheren Lebensmitteln zu erschwinglichen Preisen.

Vorratsschutz ist dann erfolgreich, wenn sich alle Akteure zusammen – Erzeuger, Agrarwirtschaft, Handel und Verbraucher - für die Sicherung der Erträge einbringen. Im Hinblick auch auf die wachsende Weltbevölkerung müssen jedoch weltweit Anstrengungen hin zu noch mehr Effizienz und Ressourcenschutz sowie Sachkunde, Forschung und Investitionen unternommen werden.
Vorratsschutz ist aktuell – eine Zukunftsaufgabe!

 

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