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Biologische Bekämpfung im Vorratsschutz

Können Schädlinge in Vorratsgütern und Lagerräumen biologisch bekämpft werden?

Seit etwa 20 Jahren werden Nützlinge in Deutschland zur biologischen Bekämpfung von Vorratsschädlingen kommerziell eingesetzt. Die hauptsächlich verwendeten parasitoiden Wespen haben eine Lebensdauer von ein bis zwei Wochen. Wichtig ist, dass unsere Lebensmittel zum Zeitpunkt des Verbrauchs nicht kontaminiert sind. Deshalb muss nach der Behandlung eine Reinigung nachgeschaltet sein. Diese ist bei runden Körnerfrüchten relativ leicht möglich, z. B. durch eine Aspiration (leichte Teile, z.B. tote Insekten, werden durch Wind ausgereinigt). In Gewürzen oder Tees ist nach biologischer Bekämpfung, aber auch nach Begasungen eine Ausreinigung deutlich schwieriger, weil feine Partikel und Insekten schwerer zu trennen sind.

Was versteht man unter biologischer Bekämpfung?

Bei der biologischen Bekämpfung setzt man lebende Organismen gegen Schädlinge ein. Für den Vorratsschutz sind in Deutschland keine Mikroorganismen, also Bakterien, Pilze oder Viren, zugelassen. In unserer Fauna heimische Makroorganismen dürfen aber nach den bestehenden Regelungen in Deutschland derzeit ohne gesonderte Zulassung als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Dabei kommen insbesondere parasitoide Wespen und räuberische Wanzen zum Einsatz.

Parasitoide Wespen sind oft eher kleine Tiere (0,4 -4mm), die Larven von Käfern oder Motten durch einen Stich einschläfern und lähmen und mit einem Ei belegen. Die schlüpfende Wespenlarve frisst dann ihren Wirt nach und nach auf. Der Umstand, dass der Wirt des Parasitoiden bei dessen Entwicklung immer zu Tode kommt, unterscheidet den Parasitoiden vom Parasiten (z. B. Kopflaus).

Während die biologische Bekämpfung von Feldschädlingen schon länger untersucht wird, begannen im Institut für Vorratsschutz in Deutschland die entsprechenden Forschungen im Vorratsschutz etwa 1990. Interessanterweise konnte man dabei aber auf Untersuchungen des Berliner Instituts für Vorratsschutz von 1919 in der kaiserlichen Biologischen Reichsanstalt für Land- und Forstwirtschaft zurückgreifen. So berichtete Hase schon 1919 über die biologische Bekämpfung des Kornkäfers mit der Lagererzwespe (Lariophagus distinguendus ). Gegenspieler, wie die Mehlmottenschlupfwespe (Habrobracon hebetor ), die Lagererzwespe, die Schlupfwespe (Venturia canescens ), das Ameisenwespchen (Holepyris sylvanidis) oder die Raubwanze (Xylocoris flavipes ) stehen heute kommerziell zur Verfügung.

Der Eiparasitoid Trichogramma evanescens parasitiert hauptsächlich die Eier vorratsschädlicher Motten und kann deshalb auch rund um verpackte Lebensmittel eingesetzt werden. Ziel dabei ist es, dass die winzigen Wespen (0,4 mm) die Motteneier auf der Verpackung parasitieren bevor eine Eilarve schlüpfen kann. Eikarten mit Trichogrammen werden in Bioläden und Tierfutterhandlungen, z.T. aber auch in Privathaushalten eingesetzt. Dabei müssen die Wespen aber über 12 Wochen vorgehalten werden.