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Physikalische Bekämpfung im Vorratsschutz

Welche physikalischen Methoden zur Bekämpfung werden im Vorratsschutz eingesetzt?

Wenn man die physikalischen Bedingungen in einem Vorratslager so verändert, dass das Überleben für Vorratsschädlinge unmöglich wird, kann man ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, also rückstandsfrei Vorratsschutz betreiben.

Bei den vorratsschädlichen Insekten ist eine Lagertemperatur unter etwa 14°C ausreichend, um die Entwicklung der Brutstadien zu unterbinden. Geschlechtsreife Tiere können zwar überleben, sich bei diesen Temperaturen aber nicht fortpflanzen. Eine echte und vollständige Abtötung lebender Insekten ist aber oft erst bei Tiefkühlung auf etwa minus 18°C möglich, wobei eine Einwirkzeit von etwa 24 Stunden erforderlich sind.

Auch extrem hohe Temperaturen können zur Bekämpfung eingesetzt werden, hier besteht allerdings das Risiko eines Qualitätsverlustes, falls Waren mit erhitzt werden. Trockenobst oder Tee sind gegen Wärme wenig empfindlich, aber Samen könnten bei hohen Temperaturen ihre Keimfähigkeit einbüßen, die Fette in Nüssen schneller oxidieren. Deshalb wird die Wärmeentwesung oft in leeren Räumen, z.B. Bäckereien oder Mühlen eingesetzt. Hierzu werden die Waren vollständig ausgeräumt und ggf. gesondert behandelt. Bei Temperaturen von 55°C sind Einwirkzeiten unter einer Stunde ausreichend, um verschiedene vorratsschädliche Insekten und ihre Brutstadien abzutöten. In Gebäuden wird aber oft für mehr als 24 Stunden behandelt, damit sich Maschinen und Bauteile erwärmen können und auch versteckt in Ritzen und Substratresten verborgene Tiere erreicht werden. Diese wandern aus sobald zu hohe Temperaturen entstehen, dadurch können zugleich  befallene Strukturen oder Maschinenteile identifiziert werden. Ein aufmerksamer Qualitätsbeauftragter kann so Bereiche erkennen, die zukünftig regelmäßig gereinigt werden sollten, damit kein neuer Befallsherd entsteht.

Außer extremen Temperaturen kann auch mit Prallung oder Vermahlung eine physikalische Bekämpfung erfolgen. So werden Mehle und Griese in manchen Mühlen durch eine Prallmühle (Entoleter) geschickt, die aus einer Rotorscheibe mit außen auf dem Teller befestigten Bolzen besteht. Partikel, die auf die sich drehende Rotorscheibe gefördert werden, treffen auf einen Bolzen und werden stark beschleunigt, bis sie auf die Außenwand der Prallmühle treffen. Auf diese Weise werden Schädlingseier zerschlagen bevor die Mehle oder Griese in die Kundenverpackungen gefüllt werden.

Ein vorbeugendes physikalisches Verfahren ist der hermetisch dichte Abschluss eines Vorratslagers oder einer Lebensmittelverpackung. Sind die Vorräte gasdicht eingeschlossen, so können keine Duftstoffe nach außen gelangen und Insekten oder andere Schädlinge anlocken. Sind die Vorräte ausreichend trocken, kann es auch bei Luftabschluss nicht zu Schimmel kommen. Unter Vakuum verpackte Produkte sind einerseits vor dem Zugriff durch Schaderreger geschützt, die angepresste Folie zeigt dies an, andererseits ist im Produkt kaum Sauerstoff vorhanden, so dass mit eingepackte Schädlinge schnell abgetötet werden. Versuche haben gezeigt, dass z. B. Weizen mit einer Feuchte von 12 % so für mehrere Jahre gelagert werden kann.