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Bewertung von Vorratsschutzmitteln – Resistenz

Resistenzmanagement im Vorratsschutz

Was versteht man unter Resistenzen?

Bei der Entwicklung von Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln (PSM) und Biozidprodukten (BP) handelt es sich um eine durch Selektion erworbene erblich verankerte und signifikante Veränderung in der Sensitivität von Schadorganismen, die bei voller Ausprägung die Wirksamkeit von Mitteln in der Praxis herabsetzt, so dass Schadorganismen die Behandlung mit diesen Mitteln überleben, die normalerweise eine effektive Kontrolle ermöglichen.

Da auch im Vorratsschutz immer weniger zugelassene Insektizide für Anwendungen zur Verfügung stehen, kommen in der Praxis wiederholte Anwendungen derselben Mittel oder Mittel mit Wirkstoffen desselben Wirkmechanismus vor. Der Selektionsdruck wird grundsätzlich höher und damit das Resistenzrisiko größer, abhängig

  • von der genetischen Faktoren (Variabilität, Häufigkeit des Resistenzgens und dessen Auswirkung auf die Fitness, Ein- oder Multi-Gen-Resistenz, dominant/rezessive Genexpression) und
  • begünstigt durch hohe Vermehrungsraten und kurze Entwicklungszeiten von Insekten.

Wiederholte Anwendungen von Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten begünstigen dadurch die Entwicklung von Resistenzen, insbesondere wenn fehlerhafte Anwendungen eine unvollständige Bekämpfung der behandelten Populationen verursachen.

 Resistenzen haben verschiedene Ursachen:

  • Metabolische Resistenz
  • Target-Resistenz (Absolute Resistenz)
  • Penetrationsresistenz
  • Verhaltensresistenz

Für die im Vorratsschutz wichtigen Insektizide können die Resistenzwirkklassen und das Auftreten von Resistenzen weltweit beim Insecticide Resistance Action Committee (IRAC) abgerufen werden:

www.irac-online.org

Welche Daten werden im Rahmen der Wirksamkeitsbewertung zur Resistenz und zum Resistenzmanagement abgefragt?

Im Zuge der Bewertung der Wirksamkeit müssen bestimmte Daten auch zur Resistenz eines Schädlingsbekämpfungsmittels vorgelegt werden, die in den gesetzlichen Regelungen festgeschrieben sind (siehe Abbildung 1, rechts):

  • Darstellung der Wirksamkeit gegenüber den Schaderregern
  • Detaillierte Betrachtung der Resistenzsituation und des –risikos (siehe Abbildung 2, rechts)
  • Resistenzmanagement

Der Antrag auf Zulassung enthält diesbezüglich folgende Informationen:

  • Verfügbare Angaben zur Resistenzentwicklung
  • Angaben zu Resistenzen und/oder Kreuzresistenzen, z. B. Daten aus Laboruntersuchungen und etwaigen Freilandanwendungen, die darüber Aufschluss geben, inwieweit Populationen von Schadorganismen eine Resistenz oder Kreuzresistenz gegenüber den verwendeten oder ähnlichen Wirkstoffen entwickelt haben oder entwickeln
  • Vorschläge für geeignete Managementstrategien
  • Dokumentierte aktuelle Literaturrecherche für Biozidprodukte, die nicht älter als 6 Monate sein sollte.
  • Vorschläge für ausführliche Hinweise zur sachgerechten Anwendung und/oder zu Anwendungsbeschränkungen bei bestimmten Pestiziden (Häufigkeit der Anwendung, gebietsbezogene Anwendung), die in der Gebrauchsanleitung/ auf der Verpackung aufzuführen sind.
  • Vorschläge für Hinweise auf der Verpackung und in der Gebrauchsanleitung auf ein mögliches Resistenzrisiko und Maßnahmen für ein geeignetes Resistenzmanagement (sofern erforderlich),

Maßnahmen des Resistenzmanagements können nicht das Erscheinen einer Resistenz in der Praxis grundsätzlich verhindern, aber sie können

  • Sensitivitätsveränderungen rechtzeitig sichtbar machen (Resistenzmonitoring)
  • Selektionsvorgänge unterbrechen
  • Vermehrung und Ausbreitung resistenter Stämme unterdrücken
  • wirksame Bekämpfung der Schaderreger gewährleisten

In einem Resistenzmanagement als Bestandteil der Bewertung können Risikominderungsmaßnahmen bereits vor dem Inverkehrbringen des Mittels für die praktische Verwendung des Mittels festgelegt werden. Es kann folgende Aspekte berücksichtigen, um das Portfolio an wirksamen PSM und BP zu erhalten:

  • Maßnahmen zur Schädlingsprävention
  • Vermeidung unnötiger Anwendungen des Mittels
  • Verwendung von Mitteln mit hoher Wirksamkeit
  • Tilgung der Schaderreger in allen Entwicklungsstadien
  • Anwendung nach guter fachlicher Praxis
  • Verwendung gemäß zugelassener Anwendung (Keine Aufwandmengen reduzieren)
  • Geeignete Applikationstechnik einsetzen
  • Nutzung spezieller Anwendungsbedingungen wie Temperatur und Dichtigkeit
  • Risikoanalyse und -management, abgestimmt gestalten für alle Mittel mit Wirkstoffen derselben IRAC-Klasse
  • Wechsel von PSM/BP mit unterschiedlichen Wirkstoffen und Wirkmechanismen
  • Detaillierte Beschreibung der Anwendung, ggf. Erläuterungen
  • Verständliche sachdienliche Hinweise für den Anwender auf Etikett und Gebrauchsanweisung
  • Akzeptanz bei allen Akteuren durch Sachkunde

Im Falle auftretender Resistenzen müssen spezifisch angepasste Resistenzstrategien für die Praxis ausgearbeitet werden, um die Verbreitung resistenter Schaderreger zu verhindern, die resistenten Stämme im Lager umgehend zu eliminieren und eine Ausweitung der Resistenz auf andere Pflanzenschutzmittel zu vermeiden.