.

Resistenzen

Resistenzen gegen Insektizide im Vorratsschutz

Resistenzen im Vorratsschutz – ein kurzer Überblick

Bei einem regelmäßigen und subletalen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Verfahren zur Bekämpfung von Schadorganismen im Vorratsschutz besteht generell die Möglichkeit einer Resistenzbildung.

Hauptfaktoren, die eine Resistenzentwicklung beeinflussen, sind:

•    Anzahl der Behandlungen pro Kultur/Objekt und Jahr
•    Dosierung (Konzentration und Einwirkzeit)
•    Wirkungsdauer des Mittels (abhängig von Wirkstoff, Formulierung und Applikationsrate)
•    Reproduktionsgrad des Schadorganismus
•    Isolationsgrad der Population bzw. Selektionsdruck
•    Überlebende Schadinsekten, keine Tilgung

Bereits im Jahr 1961 berichten Moro, H.A.U. in seiner Publikation „Manual of Fumigation for Insect Control. F.A.O.“ sowie Champ, B.R. im “Report of the FAO global survey of pesticide susceptibility of stored grain pests” über eventuell auftretende Resistenzen auch im Vorratsschutz. Auch Christ Bell forschte auf diesem Gebiet und berichtete im Jahre 1977 in seinem Artikel “The occurrence of resistance to phosphine in adult and egg stages of strains of Rhyzopertha dominica (F.) (Coleoptera: Bostrichidae)“ über Resistenzen im Vorratsschutz.

Weltweit traten Resistenzen gegenüber Phosphorwasserstoff insbesondere in Australien, China und Teilen der USA auf (Boyer, S.; 2012). Ursache waren insbesondere Fehlbegasungen sowie open-top Begasungen.

Aber nicht nur Phosphin, sondern auch z. B. Deltamethrin, Kohlendioxid, Kieselgur und Spinosad, die als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln enthalten sind, und Verfahren wie Hitze werden mit dem Thema „Resistenzen“ in Zusammenhang gebracht.

Aus diesen Beispielen wird das Risiko zur Resistenzentwicklung grundsätzlich erkennbar. In Deutschland und Europa wird deshalb im Zuge der Wirksamkeitsbewertung auch das Resistenzrisiko beurteilt und ein Resistenzmanagement bereits in den zugelassenen Anwendungen berücksichtigt. Weiterführende Informationen finden Sie hier im Wissensportal unter ‚Rechtliche Regelungen / Bewertung von Vorratsschutzmitteln – Resistenz‘,  den nebenstehenden Dokumenten sowie folgenden Quellen:

•    EPPO Guideline PP 1/213 (4) 'Resistance risk analysis’
•    PSD, Efficacy guideline 606 (May 2008) ‘Resistance risk analysis and use of resistance management strategies’
•    IRAC Website

Resistenzworkshop im JKI

Ein am 2.11. und 3.11.2016 im JKI durchgeführter workshop zum Thema „Resistenzstrategien im Vorratsschutz“ nahm sich diesem Thema an und stellte übereinstimmend fest, dass es derzeit kein Resistenzproblem in Deutschlands Lagern gibt.

Der Workshop hat bezüglich der Resistenzfragestellungen folgende Empfehlungen ausgesprochen, damit die Akteure in Wissenschaft, Zulassung und Praxis  für resistenzmindernde Maßnahmen sensibilisiert werden und im Ernstfall auf Resistenzen schnell und zielführend reagiert werden kann:

•    „Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz im Sektor Vorratsschutz“ sollen das Thema ‚Resistenz‘ einschließlich der Maßnahmen zu einem Resistenzmanagement berücksichtigen.
•    Eine Arbeitsgruppe zur Bearbeitung von „Resistenzstrategien“ wurde eingerichtet (Federführung: JKI Berlin).
•    Durch die aktive Mitarbeit im Fachausschuss Insektizidresistenz/Akarizidresistenz am JKI sollen die Interessen des Vorratsschutzes stärker als bisher eingebracht werden.
•    Der Fachbereich Vorratsschutz am JKI, Institut für ökologische Chemie, Pflanzenanalytik und Vorratsschutz in Berlin soll Resistenzfälle sammeln, die in Deutschland beobachtet und entsprechend gemeldet werden.

Meldung von Wirkungsschwächen gegenüber Insektiziden im Vorratsschutz

Für ein effektives Resistenzmanagement ist es vorteilhaft, wenn die Entwicklung einer Resistenz möglichst früh erkannt werden kann, um Maßnahmen einzuleiten, mit denen der bestehende Selektionsdruck gemindert wird.  

Gemäß Artikel 56 (4) der VO (EG) Nr. 1107/2009 erstattet der Inhaber einer Zulassung für ein Pflanzenschutzmittel (PSM) den zuständigen Behörden der Mitgliedsstaaten, die sein Pflanzenschutzmittel zugelassen haben, jährlich Bericht, wenn ihm Informationen über eine unerwartet schwache Wirksamkeit, die Bildung einer Resistenz oder unerwartete Auswirkungen auf Pflanzen, Pflanzenerzeugnisse oder die Umwelt vorliegen.

In diesem Kontext verständigten sich auch die Teilnehmer des oben genannten workshops darauf, Informationen aus der Praxis über eine unerwartet schwache Wirksamkeit von ‚Vorratsschutzmitteln‘ und die Bildung einer Resistenz zentral im Fachbereich Vorratsschutz des JKI zu sammeln.

Alle Anwender von Pflanzenschutzmaßnahmen sind deshalb aufgerufen, an dieser Stelle auffällige Wirksamkeitsschwächen zu melden:

•    Verwendungen der zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit dem Einsatzgebiet ‚Vorratsschutz‘
•    Verfahren  gegen vorratsschädliche Insekten

Vorgesehen ist eine kontinuierliche Beobachtung, um im Bedarfsfall die Akteure in Wissenschaft, Zulassung und insbesondere Praxis für resistenzmindernde Maßnahmen zu sensibilisieren und im Ernstfall auf Resistenzen schnell und zielführend reagieren zu können.
Damit die Wirkungsschwäche wissenschaftlich ausgewertet werden kann (Wirkmechanismus, Verbreitungsgebiet; Resistenztest, Nachweismethoden etc.), versehen Sie die Meldung bitte mindestens mit folgenden Angaben:

•    Name des Pflanzenschutzmittels (PSM)
•    Zulassungsnummer des PSM
•    Wirkstoff(e) im PSM
•    Betroffenes Anwendungsgebiet (Kultur bzw. Objekt und zu bekämpfender Schadorganismus)
•    Datum/Ort des Auftretens der Wirkungsschwäche/Resistenz
•    Wie äußerte sich die Wirksamkeitsschwäche? Beobachtungen?

Bitte senden Sie uns Ihre Beobachtungen über das Kontaktformular des Wissensportals zu.