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Internationales Jahr der Pflanzengesundheit 2020

Internationales Jahr der Pflanzengesundheit 2020: Wo ist der Vorratsschutz betroffen?

Im Jahr 2015 hatte Finnland der International Plant Protection Convention (IPPC) für 2020 einen Vorschlag für ein ‚Jahr zur Pflanzengesundheit‘ unterbreitet. Gemäß der Aufgabe der IPPC als UN-Unterorganisation sollte die Pflanzengesundheit dabei als die Disziplin verstanden werden, die eine Reihe von vorbeugenden und bekämpfenden Maßnahmen gegen Schädlinge, Unkräuter und Krankheiten einsetzt. Diese Maßnahmen verfolgen den Zweck, die Ausbreitung, insbesondere durch menschliche Interaktion wie den internationalen Handel, in neue Gebiete zu verhindern (https://www.ippc.int/en/iyph/ ).

Mit Unterstützung der IPPC und der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 2018 mit der Resolution A/RES/73/252 schließlich das internationale Jahr zur Pflanzengesundheit für 2020 ausrufen können.

Das Themenjahr ist weit gefasst und soll schwerpunktmäßig auf die phytosanitären Maßnahmen sowie die unbeabsichtigten Risiken und direkten Auswirkungen der Pflanzengesundheit für den globalen Handel sowie für die Einschleppung und Ansiedlung, auch durch den Tourismus, hinweisen.

Darüber hinaus soll einer breiten Öffentlichkeit die Bedeutung gesunder Pflanzen für die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung sowie für die Erreichung der globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 dargelegt werden. Alle Beteiligten, vom Produzenten, Händler, Transportunternehmer bis zum Verbraucher und den politischen Entscheidungsträgern, sollen angesprochen werden und ihr Bewusstsein für die Fragestellung soll jeweils geschärft werden.

Pflanzen stellen einen Großteil der menschlichen und tierischen Ernährung dar, doch gehen nach Schätzungen der FAO jährlich bis zu 40 % der Kulturpflanzen durch Pflanzenkrankheiten und –schädlinge verloren (http://www.fao.org/plant-health-2020/about/en/ ). Bedingt durch die Auswirkungen des Klimawandels auf die Primärproduktion wird der Befallsdruck auf garten- und ackerbauliche Kulturen in weiten Regionen zunehmen. Dieser Umstand macht zusätzliche Anstrengungen bezüglich der Pflanzengesundheit sowohl hinsichtlich des Pflanzenbaus als auch der phytosanitären Vorkehrungen bei der Ein- und Ausfuhr erforderlich.

Nur aus gesundem Saatgut bzw. gesunden Jungpflanzen können bei optimaler Standortwahl und Kulturführung gesunde Pflanzen gedeihen, die hohe Erträge in ausreichender Qualität, eine Versorgung mit hochwertigen Inhaltsstoffen und sowohl die regionale Vermarktung als auch den globalen Warenverkehr sichern. Die Pflanzengesundheit trägt auf diese Weise letztlich zur wirtschaftlichen Entwicklung bei und stärkt insbesondere kleinbäuerliche Betriebe in sich entwickelnden Regionen nachhaltig.

Weitere allgemeine Ausführungen zum internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (IYPH) 2020 sind unter www.fao.org/plant-health-2020/ verfügbar.

Pflanzengesundheit in Deutschland und Europa

Auch die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union treffen Vorkehrungen insbesondere zur Ein- und Verschleppung von Schädlingen von Pflanzen über den Handel mit Pflanzenmaterial und über Verpackungsholz. Dies kann Quarantäneschädlinge oder invasive gebietsfremde Arten betreffen, die die biologische Vielfalt bedrohen.

Ein weiterer Aspekt der Pflanzengesundheit ist, dass gehandelte Waren frei von qualitätsmindernden Schädlingen (pflanzengesundheitliche Qualität) sind. Bei phytosanitären Kontrollen z. B. an den EU Einlassstellen oder von bereits auf dem Binnenmarkt befindlichen Waren werden immer wieder Pflanzenerzeugnisse mit der Zweckbestimmung als Lebens- und Futtermittel beanstandet, weil sie von Vorratsschädlingen befallen sind (siehe Abbildung 1, rechts). Im Bericht der IPPC/FAO aus dem November 2019 (A study for the IPPC Sea Container Task Force 15 March – 16 August 2019; FAO) sind je nach Regelungen in den an der Befragung beteiligten Staaten in Seecontainern generell sowohl Quarantäne- (z. B. Trogoderma granarium, Stegobium paniceum und Tribolium spp.) als auch Nicht-Quarantäneschädlinge (Acanthoscelides obtectus, Callosobruchus spp., Ephestia spp., Lasioderma spp, Plodia interpunctella, Rhizopertha spp., Sitotroga cerealella, Sitophilus spp.,Tribolium spp. ) registriert worden (https://www.ippc.int/static/media/files/publication/en/2019/11/Sea_container_questionarrie_on_monitoring_of_sea_container_cleanliness__final_191111.pdf ).

Auch hier gilt, dass pflanzengesundheitliche Maßnahmen den Pflanzenbau, die Vorratshaltung und den Naturhaushalt in Europa langfristig und nachhaltig sichern sollen.

Für Europa und Deutschland verbindliche Vorschriften zum Schutz vor Ein- und Verschleppung von Schädlingen sind in der seit dem 14. Dezember 2019 rechtskräftigen Durchführungsverordnung (EU) 2016/2031 über Maßnahmen zum Schutz vor Pflanzenschädlingen festgelegt worden. Alle Informationen zum Pflanzengesundheitssystem und zu den Meldepflichten z. B. beim Auftreten von Unionsquarantäneschädlingen sowie Regelungen für Privatpersonen im Reiseverkehr und Fernhandel sind im Wissensportal des JKI-Institutes für nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit veröffentlicht: https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/

Weiterführende Informationen zur Pflanzengesundheit finden sich unter:

  • DG SANTE G1 (Pflanzengesundheit)
  • DG SANTE F / DG SANTE F3 (Gesundheits- und Lebensmittelaudits und Analysen - Pflanzen und organische Produkte)
  • Pflanzenschutzorganisation für Europa und Mittelmeerraum (EPPO )
  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft https://www.bmel.de/DE/Landwirtschaft/Pflanzenbau/Pflanzenschutz/_Texte/GesundePflanzen.html?nn=1853720#Start

Pflanzengesundheit und deren Aspekte im Vorratsschutz

Der Vorratsschutz beschäftigt sich gemäß Pflanzenschutzgesetz mit Pflanzenerzeugnissen, die unverarbeitet und nur geringfügig be- oder verarbeitet worden sind (z. B. durch Trocknen und Zerkleinern) und die weder lebende Pflanzen, Teile lebender Pflanzen, Saatgut oder verarbeitetes Holz sind.

Somit sind vornehmlich trockene Pflanzenerzeugnisse Gegenstand des Vorratsschutzes, sowohl im bäuerlichen Lager als auch auf der Seite der aufnehmenden Hand. Massengüter wie Getreide, Mais, Reis, Hülsenfrüchte, aber auch Schalenobst und Rohkakao werden aus Gründen der Vorratshaltung über längere Zeiten gelagert und/oder vor einer Vermarktung kurzzeitig eingelagert.

Schädlinge können bei unsachgemäßer Lagerung oder Einlagerung bereits befallener Pflanzenerzeugnisse die Erntegüter beeinträchtigen, so dass es während der Lagerhaltung zu einem Qualitäts- und zu einem Massenverlust kommen kann. Eine anspruchsvolle Lagerhaltung schließt somit die Gesunderhaltung der Pflanzenerzeugnisse ein und hält sie handels- und gebrauchsfähig. Alle wichtigen und in diesem Kontext zielführenden Maßnahmen zur Vermeidung, Früherkennung und Bekämpfung von Schaderregern sind hier im Wissensportal füer den Vorratsschutz hinterlegt und können auf diesen Seiten nachgelesen werden.

Dennoch mit vorratsschädlichen Insekten und Milben befallene Handelsware kann fachgerecht mit chemischen und vorzüglich nicht-chemischen Methoden und Verfahren im Rahmen eines integrierten Pflanzenschutzes behandelt werden.

Phytosanitäre Maßnahmen sind in entsprechenden EPPO Standards hinterlegt.

Meldepflichtige Schädlinge im Vorratsschutz

Werden Quarantäneschädlinge oder neue potenzielle Quarantäneschädlinge in Deutschland oder in der Europäischen Union erknnt, müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um ihre weitere Ausbreitung zu verhindern. Alle aktuell erforderlichen Regelungen und Maßnahmen dazu sind unter https://pflanzengesundheit.julius-kuehn.de/ verfügbar.

Meldepflichtige Schadorganismen sind danach (Stand: Dezember 2019)

  • Schädlinge in den Anhängen I und II der Richtlinie 2000/29/EG
  • Schädlinge, die nicht in den Anhängen I und II der Richtlinie 2000/29/EG genannt und neu in Deutschland sind (auch schon im Verdachtsfall), sich ausbreiten und Schaden verursachen können.
    Zum Beispiel:
    - Schädlinge, für die die EG-Kommission Notmaßnahmen vorbereitet oder getroffen hat
    - Schädlinge der Aktionsliste (Action list; A1 Liste) der EPPO, die den Mitgliedstaaten ausdrücklich zur Regelung empfohlen werden
    - Schädlinge der Warnliste (Alert list; A2 Liste) der EPPO mit voraussichtlich großem Schadpotenzial und die bereits lokal aufgetreten sein können
    - Sonstige neue Schädlinge, von denen bekannt ist, dass sie erhebliche Schadsymptome verursachen, sich ausbreiten und ansiedeln können

Schädlinge, die in Deutschland weit verbreitet sind, sind nicht meldepflichtig.

Der Khaprakäfer

Aktuell (Dezember 2019) ist allein der zur Familie der Speckkäfer gehörende Khaprakäfer Trogoderma granarium (Abbildung 2, rechts) als meldepflichtig aufgeführt, jedoch nur als Empfehlung auf der EPPO A2 Liste der Schädlinge mit potenziellem Schadpotenzial. Im Bericht der IPPC/FAO, 2019 (s.o.) sind auch Funde mit Trogoderma granarium in Seecontainern registriert worden.

Die Schadwirkung des Khaprakäfers entsteht durch die Larven, die sich bevorzugt von Getreide und Getreideerzeugnissen, Nüssen, Trockenobst, Hülsenfrüchten und Gewürzen, aber auch tierischen Produkten (z. B. Trockenmilch, Fischmehl) ernähren. Der Khaprakäfer kommt hauptsächlich in trockenen und heißen Regionen der Tropen und Subtropen vor, kann aber mit befallenen Erzeugnissen und unter geschützten Lagerbedingungen bis nach Mitteleuropa eingeschleppt werden. Nähere Informationen und Fotos zum Khaprakäfer sind im ausführlichen Steckbrief der EPPO (PM 07) nachlesbar sowie im Verzeichnis‚ Profile der Schadinsekten‘ hier im Wissensportal eingestellt.

Aufgrund des sehr hohen Schadpotenzials ist ein Befall umgehend zu tilgen, um die weitere Verbreitung und Ansiedlung in bisher nicht befallenen Gebieten zu vermeiden. Die Verbreitung, Quarantäneeinstufung und Quellennachweise zum Auftreten des Khaprakäfes sind auf der EPPO website (https://www.eppo.int/ACTIVITIES/plant_quarantine/A2_list ) zu finden, ebenso die zur Bekämpfung ausgewiesene Begasung mit Phosphorwasserstoff (EPPO Standard PM 10).